Börsenverein Jahresbericht 2024 - Flipbook - Seite 26
KULTUR
GESELLSCHAFT
LITERATURUND KULTURPREISE
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Auf ungewöhnliche Weise beendete der
Friedenspreisträgers Karl Schlögel seine
Dankesrede: „Uns Europäern bleibt, so
unwahrscheinlich es klingen mag: Von der
Ukraine lernen, heißt furchtlos und tapfer
sein, vielleicht auch siegen lernen.“ Denn
der Westen Europas sollte sich den gesellschaftlichen Zusammenhalt, den sein
östlicher Nachbar in diesen Kriegs- und
Krisenzeiten zeigt, zum Vorbild nehmen:
„Wir müssen uns nun, in unserer Zeitenwende, selber auf den Weg machen, um
die Neuartigkeit und Gefährlichkeit der
heutigen Situation mit eigenen Worten zu
erfassen.“
Dass der deutsche Historiker damit einen
Nerv trifft, davon zeugen die höchsten
Einschaltquoten bei der Übertragung des
Friedenspreises seit 25 Jahren.
Das Friedenspreisjahr 2025 wird zudem
durch die Festnahme Boualem Sansals
im November 2024 geprägt. Weil sich der
Friedenspreisträger von 2011 über die
historischen Grenzen Algeriens geäußert
hat und sich somit nach Meinung des algerischen Regimes staatsfeindlich verhalten
habe, wird er im März zu fünf Jahren Haft
verurteilt. Dank der Intervention des
deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier begnadigt der algerische
Staatspräsident den an Krebs erkrankten
Schriftsteller und lässt ihn im November
nach Deutschland ausfliegen.
© Tobias Bohm
FRIEDENSPREIS DES
DEUTSCHEN BUCHHANDELS